• Wenn Kassenhörgeräte so gut sind, weshalb dann mehr ausgeben?

    Ich lese hier immer wieder, dass Sie sagen, Kassengeräte seien gute und zuverlässige Geräte, die für die meisten Schwerhörigen geeignet sind. Wenn ich mir aber den Markt so anschaue, so gibt es sagen wir 80 Kassenhörgeräte und 2.000 zuzahlungspflichtige. Irgendwas stimmt doch da nicht. Woher diese Diskrepanz?

    Lassen Sie mich Ihnen das an einem Beispiel aus einem völlig anderen Bereich erklären.

    Lotte wohnt auf einem Berghof in Bayern, ziemlich abgelegen.
    Sie muss jeden Tag mit einem Korb Äpfel auf den Markt. Der Weg ist zu Fuß beschwerlich.

    Welche meiner Aussagen ist richtig?

    ( ) mit einem Fahrrad hat Lotte ein gutes und zuverlässiges Beförderungsmittel, das ihr den Weg zum Markt ermöglicht.
    ( ) Lotte muss unbedingt ein Motorrad haben
    ( ) ohne Auto kann Lotte keine Äpfel verkaufen

    Lotte bekommt von ihrem Vater 100 Euro für ein Fahrrad. Sie entscheidet sich aber, ein Auto zu kaufen. Das kostet gebraucht 1.000 Euro.
    Da sie 100 Euro vom Vater hat, muss sie noch 900 Euro aus eigener Tasche draufzahlen.

    Ich denke, Sie verstehen, worauf ich hinaus will.

    Wenn ein Mensch schlecht hört, ist die erste und beste Maßnahme die Anpassung eines Hörgeräts.
    Entscheidet sich dieser Schwerhörige für ein Kassenhörgerät, so bekommt er -genau wie wir es immer sagen- ein gutes, robustes und ausreichendes Hörgerät.
    Er wird damit besser hören als vorher. Voraussetzung: Der Hörakustiker legt sich ins Zeug und passt das Kassengerät auch wirklich gut an.

    Damit steht unsere Aussage, dass in dem einen Fall das Fahrrad und in dem anderen Fall das Kassengerät zweckmäßig, günstig und funktionierend sind.

    Nichtsdestotrotz hat Lotte natürlich Recht. Das Auto bietet ihr mehr Platz, es bietet Schutz bei Wind und Wetter, es hat eine Heizung, man muss sich nicht so anstrengen und vieles mehr.

    Genauso ist es mit zuzahlungspflichtigen Hörgeräten.
    Da gibt es tausende Modelle, die sich vor allem durch unterschiedliche Technologiestufen unterscheiden.

    Es bleibt dabei: Gutes Hören und Verstehen, das klappt auch mit dem Kassenhörgerät.

    Aber was ist, wenn man sehr viel in unruhiger Umgebung ist, wenn sich das Hörgerät noch individueller an verschiedene Hörumgebungen anpassen soll oder wenn man Bluetooth, Handyanbindung und binaurales Hören möchte?

    Das sind zum einen Luxus und Komfort und zum anderen Features, die zwar ein noch besseres Hören ermöglichen, aber im Vergleich zum Kassenhörgerät jetzt nicht 10mal besser sind.

    So wie Sie mit einem VW-Golf von München nach Hamburg fahren können, oder mit einer Mercedes S-Klasse, so können Sie mit dem Kassenhörgerät hören und mit den Luxusmodellen der Hörgerätehersteller. Hören werden Sie immer.

    Aber mit den Premium-Modellen geht es halt noch einen Tick besser und sie haben wahnsinnig viele Einstellmöglichkeiten, sodaß der Hörakustiker eine noch tollere Anpassung an Ihre Bedürfnisse hinbekommen kann.

    Alles hat da seine Berechtigung.



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    Nur eins ist falsch, wenn der Hörakustiker bei normalem Hörverlust von Anfang an sagt: Das Kassengerät kommt für Sie nicht in Frage.
    Dann ist was faul.

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