• Hörgerätebatterien testen

    Im Handel werden Batterietester für Hörgerätebatterien angeboten. Auch mancher Hörgerätetrockner ist mit einem Batterietester ausgerüstet.
    Das scheint ja auch auf den ersten Blick sinnvoll. Denn als Hörgeräteträger ist man ja auch immer ein wenig von der „Reichweitenangst“ geplagt. Ähnlich wie beim Elektroauto, aus dessen Umfeld der Begriff „Reichwweitenangst“ stammt, haben auch Hörgeräteträger immer Angst, die Batterien ihrer Hörgeräte könnten in einem ungünstigen Moment versagen.

    Batterietester für Hörgeräte sinnvoll?

    Deshalb scheint es ganz clever zu sein, seine Hörgerätebatterien ab und zu zu testen, um herauszufinden, wieviel Kapazität sie noch haben.

    Nur hat die Sache leider zwei Haken.

    1. Problem: Die Restkapazität ist gar nicht so ohne weiteres messbar.
    2. Problem: Die Messung gibt kaum Aufschluss über die „Restlaufzeit“.

    Problem: Es bringt nichts!

    Die Messgeräte können grundsätzlich nur die aktuelle Spannung der Batterie messen und anzeigen. Die Spannung liegt nach der Aktivierung der Batterie bei rd. 1,4 Volt.
    Die Aktivierung erfolgt ja bei den modernen Zink-Luft-Batterien durch das Entfernen der Klebesiegel.

    Selbst wenn die Stromaufnahme, also quasi der Verbrauch, Ihres Hörgeräts bekannt ist, können Sie die Lebensdauer der Batterie kaum ausrechnen. Sie hängt nämlich auch vom Nutzungs- und Trageverhalten des Hörgeräteträgers ab. Nicht nur die tägliche Tragedauer spielt eine Rolle, sondern auch die möglicherweise vorliegende Nutzung von Streaming, TV-Ton-Übertragung und Telefonfunktionen.
    Einen weiteren Einfluss nehmen der Grad Ihres Hörverlustes, die Beanspruchung Ihres Hörgerätes sowie mehrere Umwelteinflüsse wie niedrige Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, Trockenheit, hohe Höhenlage oder eine laute Umgebung.

    Deshalb können Sie nur in den seltensten Fällen exakt voraussagen, wann der nächste Batteriewechsel fällig wird. Das geht, wenn überhaupt, nur, wenn Sie stets das gleiche Trageverhalten an den Tag legen und über lange Erfahrungswerte verfügen.

    michaljamro / Pixabay

    Moderne Hörgerätebatterien machen Spannungsmessungen sinnlos

    Messgeräte können aber nur die aktuelle Spannung anzeigen. Wieviel Rest noch in der Batterie enthalten ist, wissen die Geräte nicht. Sie können allenfalls ablesen, ob die Spannung schon abgesunken ist.
    Und hier liegt das Problem. Denn die Zink-Luft-Batterien haben eine sehr gerade Entladungskurve mit einem steilen Abfall am Ende.
    Herkömmliche Batterien einfacher Bauart beginnen bei sagen wir 1,2 Volt und während der Nutzung sinkt diese Spannung eigentlich permanent ab.
    Irgendwann liefert die Batterie nicht mehr genügend Spannung und das betriebene Gerät versagt u.U seinen Dienst oder leistet weniger.

    Beispiel: Taschenlampe

    Beispiel: Bei einer Taschenlampe ist das sehr gut zu beobachten. Richtig gleißend hell leuchtet sie nur am Anfang, ab da wird sie jedes Mal ein bisschen schwächer leuchten. Sie leuchtet aber auch dann noch, wenn die Batteriespannung auf 0,8 Volt oder weniger abgesunken ist. Dann leuchtet die Taschenlampe aber nicht mehr gleißend hell, sondern gelblich schwach.

    WikimediaImages / Pixabay

    Elektronische Geräte mit Mikrochips können einen solchen Spannungsabfall nicht vertragen. Sie haben keine so große „Spannungsbreite“ in der sie betrieben werden können.
    Deshalb ist es wichtig, dass der Spannungsabfall nicht schleichend und kontinuierlich erfolgt. Viel wichtiger ist es, dass die Batterie die Spannung quasi bis zum Schluss in nahezu vollständiger Höhe erbringt. Und das ist bei Hörgerätebatterien so der Fall. Darin liegt aber auch die Tücke des Objekts.

    Weil Hörgerätebatterien bis kurz vor dem Ende ihres „Lebens“ die volle Spannung abgeben, kommt das Ende dann schnell und überraschend.
    Erst kurz bevor sie leer sind, kommt es zu einem wirklich messbaren Spannungsabfall und das Hörgerät meldet sich mit dem Batteriewarnton.

    Es hilft Ihnen also gar nichts, wenn Sie mit einem Spannungsmessgerät die aktuelle Spannung der Batterie messen. Sie wissen dann nur: Die Batterie lebt noch.
    Mehr nicht.

    Natürlich ist es auch Humbug, neue Lagerbatterien auf Verdacht zu testen. Denn dazu müssten Sie das Klebesiegel entfernen. Dadurch würde die Batterie aber unnötig aktiviert und sich dann in der Folge ungenutzt selbst entleeren.

    Wann ist ein Messgerät sinnvoll?

    Nun, mir fallen nur drei sinnvolle Einsatzzwecke ein.

    1. Wenn Sie zwei Batterien vor sich liegen haben und nicht mehr wissen, welche die volle und welche die leere ist. Dann könnten Sie mit einem Messgerät feststellen, welche die gute Batterie ist.
    2. Oder wenn Sie eine neue Batterie eingesetzt haben und das Hörgerät trotzdem nicht funktioniert, können Sie durch eine Messung feststellen, ob das vielleicht an einer leeren Batterie liegt. (Solche Ausreißer sind systembedingt und kommen immer mal wieder vor.)
    3. Wenn Sie nach der Aktivierung einer Zink-Luft-Batterie sichergehen wollen, dass diese volle Spannung abgibt, um den Einsatz eines „Ausreißers“ auszuschließen.



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    Titelbild: Mit herzlichem Dank an geralt / Pixabay

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