Finger weg: Kaufen Sie keine Hörgeräte aus dem Ausland

Warum es sich nicht lohnt, bei Hörgeräte-Schnäppchen aus Griechenland, Zypern & Co. zuzugreifen. Am Ende wird es teurer, als Sie gedacht haben. Wir erklären Ihnen die Hintergründe und zeigen Alternativen.

Hörgeräte erhalten gesetzlich Krankenversicherte bei Bedarf nahezu kostenlos. Wer höhere Ansprüche hat, kann auch teurere Hörgeräte in allen Preisklassen erhalten.
Den Differenzbetrag müssen Sie dann selbst bezahlen. So kann der Hörgerätekauf durchaus eine teure Angelegenheit werden. Den allermeisten ist das gute Hören und der gesteigerte Hörkomfort aber diese Zuzahlung wert.

In letzter Zeit tauchen aber in Internetanzeigen und vor allem bei großen Internet-Auktionshäusern Angebote für Spitzenmodelle der Hörgerätetechnok zu sagenhaften Preisen auf.
Beworben wir beispielsweise das Phonak Marvel M90 für unter 1.300 Euro. Beim deutschen Hörakustiker zahlt man mitunter das Dreifache.

Doch was bekommt man, wenn man auf diese günstigen Angebote eingeht?
Sie erhalten in aller Regel Originalware. Wir schreiben „in aller Regel“, weil natürlich alle Geschäfte mit Unbekannten vor allem im Ausland immer ein gewisses Risiko bergen.
Als Käufer teilen Sie dem Hörakustiker oder Verkäufer im Ausland mit, welche Kabellänge Sie für den Ex-Hörer benötigen und bestenfalls können Sie ihm ein Audiogramm per Mail zukommen lassen.
Anhand dieser mageren Angaben stellen „die geschulten Experten vor Ort“ die Hörgeräte dann grob ein.
Nach 14 Tagen halten Sie als Kunde die teuren Stücke dann in Händen.

Doch dann geht das Martyrium erst los. Denn kein Hörgerät kann so auf gut Glück eingestellt werden.
Sie werden keine Freude damit haben und auch nicht gut mit dem Schnäppchenhörgerät hören.

Es wären einige weitere Anpassungen notwendig. Die aber kann der Hörgeräteverkäufer aus Zypern, Griechenland oder Fernost nicht anbieten.
Oder wollen Sie etwa zur Feineinstellung Ihrer Hörgeräte nach Nikosia oder Athen fliegen?

Die deutschen Hörakustiker werden sich fein bedanken, wenn Sie mit einem solchen Gerät bei ihnen auftauchen. Rechnen Sie damit, dass Sie für die Arbeit der Akustikers, wenn er sich überhaupt an diese Geräte heranmacht, den normalen Stundenlohn von ca. 80-90 Euro zahlen müssen. Da wird Ihr Schnäppchen dann im Nachhinein auf einmal sehr, sehr teuer.

Wie es mit der im Ausland erworbenen Herstellergarantie aussieht, ist auch immer so eine Sache. Jedenfalls haben Sie keinen direkten Ansprechpartner, bei dem Sie direkt im Laden Garantieleistungen in Anspruch nehmen können. Denn wir reden hier von einer Garantie. Und Garantie ist im Gegensatz zur gesetzlichen Gewährleistung eine freiwillige Zusatzleistung des Herstellers. Da freiwillig, muss diese Garantie aber nicht vollumfänglich sein und kann viele Ausschlüsse beinhalten.
Die gesetzliche Gewährleistung haben Sie weggeworfen, als Sie im Ausland gekauft haben, denn kein deutscher Hörakustiker ist verpflichtet, irgendeine Gewährleistung für Fremdgeräte zu leisten.

Überlegen Sie nur mal, wie Sie dann im Reparaturfall dastehen!

Wie kommt es zu diesen Preisen? Nun, überall auf der Welt herrscht eine unterschiedliche Kaufkraft. Deshalb kosten Medizinprodukte und Medikamente weltweit auch unterschiedlich viel.
So kommt es, dass Sie solche Produkte im Ausland oft viel günstiger bekommen, als bei uns.

Es lohnt sich aber in den seltensten Fällen.
Lassen Sie lieber die Finger davon.

Bild: Pixabay



Anzeige


Lesen Sie auch

Deshalb helfen Wundermittel für das Ohr nicht

Unter dem Namen Nutresin Herbapure Ear wird derzeit ein Mittel im Internet stark beworben.…