• 7 Irrtümer über Wattestäbchen

    Alle Welt warnt vor Wattestäbchen. Das ist schon fast ein Mantra, das jeder Journalist nachplappert. Man darf annehmen, dass die meisten keinerlei Ahnung von der menschlichen Anatomie haben und dennoch geflissentlich diese immer wieder verbreitete Meldung durch den Pressedschungel jagen.

    Aber was ist denn überhaupt dran an der Gefahr durch Wattestäbchen?

    Irrtum: Die Kunden missbrauchen die Stäbchen

    Es wird immer so getan, als wären die Menschen zu blöd, um Wattestäbchen anzuwenden. Vor allem wird der Eindruck erweckt, Wattestäbchen seien für etwas ganz anderes gemacht worden und wir würden sie jetzt törichterweise vollkommen falsch anwenden.
    Aber, wer sich noch richtig an frühere Werbung erinnert, der erinnert sich auch daran, dass für Wattestäbchen auch mit der Verwendung am Ohr geworben wurde:


    Eindeutig zu tief! Stecken Sie Wattestäbchen niemals auf diese Weise ins Ohr!

    Außerdem: Nur weil heute andere Erkenntnisse vorliegen, deutet ja schon die Form der Wattestäbchen darauf hin, wofür sie hauptsächlich verwendet werden, nämlich für die Reinigung der Ohren.
    Desweiteren werben Wattestäbchenhersteller damit, dass der Watteaufsatz jetzt nicht mehr abgehen kann und nirgendwo mehr steckenbleiben kann.
    Würde man die Wattestäbchen nur äußerlich zum Betupfen von Babypopos verwenden, wo bitte soll denn da was abgehen und steckenbleiben?

    Nein, wir sind nicht zu doof, sondern Wattestäbchen werden wissentlich dafür gemacht, in den Ohren verwendet zu werden. Wissentlich, weil auf jeder Packung der Warnhinweis steht, man solle sie nicht in die Ohren einführen. Also wissen die Hersteller, wofür Menschen dieses Produkt verwenden.

    Irrtum: Wattestäbchen lassen Ihre Ohren explodieren

    Wer ein Wattestäbchen ein kleines bißchen in seine Ohren steckt, riskiert weder, dass sein Kopf explodiert, noch dass er sofort sein Trommelfell durchstößt. Zumindest dann nicht, wenn die Anwendung vorsichtig nur im vorderen Teil des Gehörgangs passiert.
    Der Gehörgang ist nämlich zwischen 3 und 4,5 cm lang.

    Man müsste das Wattestäbchen schon zu mehr als der Hälfte seiner Länge ins Ohr schieben, um bis zum Trommelfell zu kommen.

    Irrtum: Ohrenschmalz ist Schmutz

    Zugegeben, Cerumen (so heißt Ohrenschmalz fachlich) sieht nicht gerade lecker aus. Aber es ist ein ganz natürliches Sekret unseres Körpers. Außerdem ist es ein gar wundersames Wachs, das äußerst nützlich ist. Es ist antibakteriell, bindet Staub und kleine Härchen, reinigt unsere Ohren vollautomatisch und hält viele Insekten von unseren Ohröffnungen fern.
    Das Ohrenschmalz also mit allen Mitteln aus dem Gehörgang zu entfernen, ist absoluter Schwachsinn. Das ist vor allem deshalb doof, weil man dadurch nur erreicht, dass das Ohr unter Umständen nur noch mehr Ohrenschmalz produziert.

    Aus dem Ohrinneren sollte deshalb Ohrenschmalz niemals entfernt werden. Wenn sich dort zu viel angesammelt hat, oder wenn sich gar ein Pfropf gebildet hat, dann gehen Sie einfach zum Ohrenarzt, der macht das schmerzlos weg.

    Irrtum: Wattestäbchen dürfen nicht ins Ohr

    Was Sie mit Wattestäbchen tun können, Sie können damit die Ohröffnung säubern. Wenn nämlich das gute Ohrenschmalz seine Arbeit erledigt hat, kommt es irgendwann an die Ohröffnung und will raus. Dort dürfen Sie mit einem Wattestäbchen selbstverständlich mit leicht drehenden, aber nicht mit schiebenden oder stoßenden Bewegungen das sichtbare Ohrenschmalz entfernen.
    Dafür haben die Hersteller den Dingern ihre Form gegeben, egal was sie erzählen.
    Aber weiter, als das kleine Wattestückchen reicht, dürfen Sie nicht ins Ohr.
    Dies entspricht nämlich noch einer äußerlichen Anwendung am Ohr. Alles andere wäre im Ohr.

    Irrtum: Die Wattestäbchen sind gar nicht lang genug

    Die Wattestäbchen sind ja viel zu kurz, um in meinem Ohr irgendwo dranzukommen.
    Das stimmt, wenn Ihre Gehörgänge 10 cm lang sind. Dann ist aber Ihr Gehirn nur so groß wie eine Orange.
    Nein, tatsächlich sind Wattestäbchen ca. 8 cm lang und damit doppelt so lang wie Ihr Gehörgang. Sie kommen also sogar sehr leicht ans Trommelfell und können dieses bei unsachgemäßem Einsatz des Wattestäbchens beschädigen.

    Wollte man wirkungsvoll verhindern, dass Wattestäbchen das Trommelfell erreichen, dürften sie nicht länger als 2 cm sein und wären damit nicht mehr gut zu handhaben.

    Irrtum: Meine Gehörgänge sind viel größer als das bißchen Watte

    Das sieht nur so aus. Unser Gehörgang hat schon ein bisschen die Form eines Hörrohrs. Er beginnt groß und wird dann enger, um den Schall zu bündeln.
    Was also von außen groß aussieht, mündet in einer doch recht engen Röhre.
    Wenn Sie ein Wattestäbchen in diesen Trichter hineinschieben, schieben Sie zwangsläufig auch Ohrenschmalz in Richtung Engstelle und Trommelfell.

    Sie spielen quasi Planierraupe und schieben immer mal wieder Ohrenschmalz in die falsche Richtung.

    Irrtum: Ich hol den Ohrenschmalz immer komplett raus

    Das sieht nur so aus. Lassen Sie sich nicht davon tauschen, dass immer Ohrenschmalz am Wattestäbchen hängt, wenn Sie es aus den Ohren ziehen.
    Das ist zwar auf den ersten Blick ein Reinigungserfolg, aber Sie haben vermutlich die doppelte Menge in Richtung Trommelfell geschoben.
    Ohrenschmalz müssen und sollen Sie nicht entfernen. Es genügt, wenn Sie das bißchen wegmachen, das man an der Ohröffnung sieht.

    Fazit:

    Nein, wir sind nicht blöde. Es ist durchaus naheliegend, sich diese Wattestäbchen in die Ohren zu stecken. Das gilt auch, wenn die Hersteller so tun, als wollten sie nicht, dass wir das machen.
    Aber alle, die Ihnen raten, keine Wattestäbchen im Gehörgang zu verwenden, haben vollkommen recht.
    Was erlkaubt ist, ist die Reinigung der Ohröffnung, um sichtbar gewordenes Ohrenschmalz wegzuwischen oder um beispielsweise eine Creme aufzutragen.
    Alles was mehr ist als die weiße Wattespitze, dürfen Sie niemals ins Ohr stecken.

    Mit diesem Artikel möchten wir Ihnen das schlechte Gewissen nehmen, weil wir wissen, dass Millionen Menschen sich Wattestäbchen in die Ohren stecken.
    Wir möchten aber auch aufklärend wirken und mithelfen, durch gute Verhaltensanweisungen den Schaden zu begrenzen.

    Hinweis: Diese Einschätzung beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und gibt ausschließlich meine Meinung wieder. Zu Rechts-, Steuer- und medizinischen Themen sollten Sie immer einen ausgewiesenen Fachmann fragen. Das ist oft günstiger als man denkt. Verlassen Sie sich nie auf Erkenntnisse, die Sie sich nur im Internet zusammengefischt haben!



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